Findlinge und Gedanken aus meinen Streifzügen durch das Leben und das Netz. Wunderbares und Sonderbares aus Technik, Genderdiskussionen und Kommunikation.
Dienstag, 25. Oktober 2011
Oh Siri
Für alle, die davon noch weniger Ahnung haben als ich: Siri ist die neue "Sprachassistentin" des iPhone 4S. Gibt es eigentlich schon eine Gender-Diskussion über die Wahl eines weiblichen Assistenten und damit zusammenhängend die vielen Videos im "Siri, do you love me?"-Kontext? Fände ich spannend, aber ich kann das noch nicht so recht einordnen.
Freitag, 22. Juli 2011
Urlaubslektüre: Munro, Winterson und Co.
Alice Munro: Die Liebe einer Frau. Drei Erzählungen und ein kurzer Roman. Fischer
Ich mag eigentlich gar keine Kurzgeschichten. Bis ich richtig drin bin, sind sie zu Ende. Alice Munro ist trotzdem zu einer meiner liebsten Schriftstellerinnen geworden. Ihre Kurzgeschichten sind meisterhaft. Als ob ein (sehr heller) Scheinwerfer über Landschaften und Menschen gleitet, sie bis ins Detail ausleuchtet und sie dann wieder im Dunkel zurücklässt. Man taucht mitten in das Leben der Protagonisten ein, leidet, freut sich, liebt mit ihnen und lässt sie dann etwas wehmütig zurück. Sie ist seit Jahren im Gespräch für den Literaturnobelpreis, aber mit Kurzgeschichten verschafft man sich nur schwer Respekt. Ich drücke ihr jedes Jahr die Daumen.
Jeanette Winterson: Die steinernen Götter. Berlin Verlag
Diesen Teil meiner Urlaubslektüre habe ich schon anderweitig verraten. Auf die geschliffenen Sätze und auf die unglaublichen Bilder, die in meinem Kopf entstehen, freue ich mich schon. Und fürchte sie zugleich, denn Winterson lesen fühlt sich an wie mit einem Fischkutter durch hohe See fahren: Ich werde atemlos, mit klopfendem Herzen, wirrem Blick und rasenden Gedanken wieder ausgespuckt und versuche mich daran zu erinnern, wer ich bin. Der erste Satz des neuen Romans klingt verheißungsvoll: "Diese neue Welt wiegt ein Yatto-Gramm."
Joanna Trollope: Zweiter Frühling. Berlin Verlag
Das Erholungsprogramm. Die luftig leichte Erzählweise von Trollope gefällt mir gut. Vor allem deshalb, weil sie der Schwere ihrer Themen Flügel verleiht: Liebe (geht es nicht immer um Liebe?), Verrat, Untreue, Einsamkeit. Dieses Mal ein Familienroman: Eltern, die sich nach dem Auszug ihrer Kinder neu finden müssen, Kinder, die plötzlich erwachsene Probleme haben, und das ewige Versprechen, dass nichts so wird wie erwartet.
Siri Hustvedt. Was ich liebte. Rowohlt
Die "Neue" in der Runde. Auch wenn man das fast nicht zugeben darf, aber wir haben noch nichts von ihr gelesen. "Was ich liebte" ist schon älter (von 2003), hat uns aber neugierig gemacht. Ein Familiendrama, in der Künstlerszene New Yorks angesiedelt. Wenn sie so schreibt, wie ihr Ehemann Paul Auster (u.a. Moon Palace, Unsichtbar, Im Land der letzten Dinge) wird es nicht sehr erholsam, aber spannend.
Auf die Ohren: Leonie Swann: Garou; Audrey Niffenegger: Die Zwillinge von Highgate.
Den Garou haben wir schon auf der letzten längeren Autofahrt angefangen und wir sind wiedermal begeistert von so viel Schaffühlungsvermögen. Da braucht es schon viel "Wollensstärke", nicht einfach noch ein paar Hundert Kilometer zu fahren, um mehr hören und lachen zu können.
Von Audrey Niffenegger haben wir "Die Frau des Zeitreisenden" gelesen. Selten eine so schöne, so traurige Liebesgeschichte gelesen. Jetzt also der Nachfolgeroman. Soll ja noch emotionaler sein. Na, wenn wir da mal nicht die Ausfahrt verpassen...
Ja, da haben wir ganz schön was vor. Alles Frauen dieses Mal. Die Männer haben es nicht in die Endrunde geschafft, warten aber in der zweiten Reihe auf die nächste Shopping-Runde: Neben Paul Auster (Sunset Park) u.a. Wilhelm Genazino (Das Glück in glücksfernen Zeiten), Stefan Mühldorfer (Tagsüber dieses strahlende Blau) und David Nicholls (Zwei an einem Tag).
Montag, 18. Juli 2011
Finale - oho: das Ende der WM
Jetzt ist die WM auch schon wieder zu Ende. Die Holde und ich hatten viel Spaß: Beim Gucken mit Freunden in der Sanderstraße, live beim Spiel Nordkorea-Schweden im Stadion und auch zuhause beim Häkeln. Ein schönes Fußballfest mit etwas anderem Publikum im Stadion (da konnten ein paar eingefleischte Augsburgfans gar nicht mehr aufhören, sich zu wundern, wie friedlich das alles ist) und ausgeglichenem Geschlechterverhältnis vor den Leinwänden. Ich fand's schön! Gerne bald wieder ;-)
Donnerstag, 23. Juni 2011
Schaukel das Boot
Das ich bekennender Missy-Magazin-Fan bin, ist ja nix Neues. Aber die aktuelle Ausgabe hat es wirklich in sich und jetzt ist mein liebster "Roter-Ohren-Artikel" seit langem auch online zu lesen: Die Missy-Macherinnen haben, nun ja, eindeutige Liedtexte wiedergegeben, die zeigen, 1. wie es die Ladys am liebsten haben und 2. dass nicht nur Männer versaute Lieder texten und singen.
Online-Bonus: die enstprechenden Videos sind auch verlinkt. Also auf zur Missy!
Freitag, 17. Juni 2011
schwarz, rot, goldig?
Am Dienstag, als ich mit meinem geschätzten Kollegen und Kompagnon telefonierte, fragte er mich plötzlich: "Hast Du die neue Playboy schon gesehen?" Ich war kurz verwirrt, denn zu meiner täglichen Lektüre gehört das eher nicht. Aber mir wurde sehr schnell klar, worauf er hinaus wollte. Schließlich hatten wir uns in der Woche zuvor noch gemeinsam über die etagreen aufgeregt.
Habt ihr die neue Playboy schon gesehen? Hier der Link zum Stein des Anstoßes. Fünf Spielerinnen der Nationalmannschaft haben sich für den Playboy nackig gemacht. Um gegen das Image des "Mannweibs" anzukämpfen, wie sie sagen. Denn: "Es spielen immer mehr süße, hübsche Mädels Fußball, die auch shoppen gehen und Wert auf ihr Äußeres legen."
Eigentlich finde ich dieses Zitat noch schlimmer als die Bilder. Der Kollege kommentierte passend: "Statt als Mannweib abgestempelt zu werden, lassen sie sich also lieber als Püppchen fotografieren?" Ja, denn das lässt sich offenbar besser verkaufen. Frauen, Verzeihung, "Mädels" haben nun mal süß und schlank zu sein, lassen für Geld alle Hüllen fallen und gehen gerne shoppen. Mich gruselt's. Das sollen die Vorbilder für unsere Jugend sein? Germany's next Topfmodel auf grünem Rasen? Aber der DFB findet das sicher nicht gut, dachte ich. Und dann das:

Was ihr hier seht, ist einer der offiziellen DFB-Fanartikel. Es gibt wahlweise auch ein "Stylisches T-Shirt mit Glittter-Aufdruck"[sic!]. Versteht mich nicht falsch, ich habe nichts gegen Mädels, die süß aussehen und gern shoppen gehen. Aber ich habe ganz deutlich etwas dagegen, wenn Fußballfrauen wie z.B. Nadine Angerer nicht als das was sie sind, nämlich eine hervorragende Torfrau, gesehen werden, sondern nur ihre angebliche fehlende Weiblichkeit bemängelt wird. Sportlerinnen haben "süß" auszusehen, nicht "athletisch". Mattel hat passenderweise zur Fußball-WM eine Barbiepuppe herausgebracht. Aber ich will Fußball sehen im Juli, keine Puppenspiele! Daher schließe ich mit einem Zitat vom Turbine Potsdam Trainer Bernd Schröder: "Wir aber brauchen Persönlichkeiten, keine Barbiepuppen."
Dienstag, 14. Juni 2011
Werbeobjekte - das Gleiche in Grün
Wo genau liegt die Verbindung zwischen der Wahl des passenden Wechselrichters für Solaranlagen und einer halb nackten Frau? Weil es so schön warm wird auf den Panels? Im Innern der Ausgabe dann ein Poster mit den sonnenreichsten Gegenden Deutschlands - eine Afroamerikanerin im Bikini und mit Sonnenbrille verdeckte zwar einen Teil des Niederrheins und Schwarzwalds, aber was soll's? Ist doch viel hübscher so. Nicht zu fassen, das. Nachhaltige Kommunikation definiere ich irgendwie anders. Mehr mit Menschenwürde und so. Das Magazin ist bei mir jedenfalls unten durch.
Welche Werbewiderlichkeiten sind euch denn die "liebsten"? Zur Inspiration seht euch einfach zum Abschluss des kleinen Ausflugs in die Werbewelt noch ein paar gephotoshoppte Bilder an und dann legt los:
Donnerstag, 9. Juni 2011
Frauen-WM hoch zwei
Eine ganz tolle Idee am Rande der Frauenfußball-WM hatte Peer vom Blogprojekt: Bereits zur Herrenfußball-WM gab es eine Blog-WM, dieses Jahr gibt es das Ganze nur für XX-Chromosomler noch mal: 64 Blogs treten in verschiedenen Runden gegeneinander an, per Abstimmung wird entschieden, wer aus der jeweiligen Paarung in die nächste Runde kommt. Am Ende winkt der Blog-WM-Titel und ein paar Preise gibt es auch.
Ich fand das so toll, dass ich mich gleich beworben habe. Und siehe da, ich bin dabei! :-) Darüber freue ich mich wirklich sehr. Die erste Vorrunde läuft noch bis zum 12.06., d.h. Ihr müsst jetzt natürlich fleißig abstimmen. Für mich, aber bitte auch für alle weiteren Kandidaten, die Euch gefallen. Ihr wisst ja, das olympische Prinzip!
Dienstag, 24. Mai 2011
Sexismus und andere Seuchen
Der EHEC-Erreger sorgt ja gerade zumindest in den Medien und dem, was man so "öffentliche Meinung" nennt, für einigen Wirbel. Mich hat da gestern da was ganz anderes "erregt", nämlich die unglaubliche Aussage eines Mitarbeiters des Robert-Koch-Instituts:
"Die Frauen bereiten häufiger Lebensmittel zu, und da können sie sich möglicherweise bei der Reinigung des Gemüses oder anderer Lebensmittel infizieren."
Dieser "'*_)/%§"%/(!" - tief durchatmen jetzt - "Wissenschaftler" scheint eine etwas antiquierte Haltung zum weiblichen Geschlecht sein Eigen zu nennen. Vielleicht wollte er ja auch nur einen Scherz machen und die dpa hat's nicht verstanden. Oh, oh, da fällt mir glatt noch einer ein:
"Warum haben Frauen so kleine Füße? Damit Sie näher am Herd stehen können!"
Ich dachte eigentlich, wir leben in einer sich zumindest emanzipierenden Gesellschaft, in der Männer auch mal die Küche betreten dürfen. Und nun kommt mir nicht mit Statistiken. Das hat nichts mit Statistik zu tun, wenn man sich angesichts einer Krankheit, die überwiegend Frauen befällt, sofort auf das erstbeste "Argument" stürzt und solch unbedachten Unsinn äußert.
Ich mag jedenfalls nicht akzeptieren, dass ein führendes wissenschaftliches Institut ohne Nachweis darauf hinweist, dass Frauen gut genug sind, das Gemüse zu putzen, aber zu dumm, sich die Hände zu waschen. Und alle Medien haben es natürlich genau so unbedacht übernommen, von SpOn über WELT bis zur ZEIT online.
So. Ich geh jetzt mal Gemüse putzen, das beruhigt mich immer so schön.
Montag, 9. Mai 2011
Die Vermessung der Welt
Heute morgen bei meinem täglichen Blog-Rundgang bin ich auf einen Post der Mädchenmannschaft gestoßen. Thema: BH-Größen. Da ich chronisch unzufrieden werde beim BH kaufen und es deshalb auch nur bei besten Voraussetzungen versuche (Sonnenschein, gute Laune, Zeit und eine geduldige Einkaufspartnerin), habe ich ohne große Hoffnung auf Erlösung geschmökert. Und weitergelesen. Und bei den Busenfreundinnen reingeguckt. Dann das Maßband gesucht. Gemessen. Gesucht. Gelesen. Gewundert. Und was soll ich sagen: Ich werde wohl am Wochenende neue BHs kaufen gehen müssen.
Nun weiß ich natürlich auch, dass sich die BH-Größe aus dem Unterschied zwischen Brustumfang und Unterbrustumfang ableitet. Aber ich wusste offensichtlich nicht, wie man richtig misst (für Anleitung und Auswertung bei den Busenfreundinnen reinschauen. Aber als erste Hilfe: Unterbrustumfang nach dem Ausatmen so eng wie's geht messen. Brustumfang an der weitesten Stelle im Liegen, im Stehen und Vornübergebeugt messen). Nach Studieren der Anleitung kam ich heute zu einem Ergebnis, das so komplett anders ist als mein Bisheriges, dass ich nur staunen kann. Noch dazu weiß ich jetzt, dass mein Problem (BH rutscht immer nach oben, wenn ich mich bewege) ein Häufiges ist. Und daher kommt, dass ich zu KLEINE BHs gekauft habe. Du lieber Himmel. Ich bin echt geschockt, dass ich das nie in Betracht gezogen habe. Und würde jetzt am Liebsten mit dem Maßband durch die Welt ziehen und alle BH-Trägerinnen vermessen. Aber da ich einsehe, dass das unangenehme Konsequenzen nach sich ziehen könnte, hier der Aufruf an Euch: Vermesst Euch! und berichtet!
Donnerstag, 24. März 2011
Rote Taschen raus!
Morgen, am 25.03. ist Equal Pay Day!
Für alle, die es (wie ich) auch noch nicht wussten: Die rote Tasche steht dafür, dass Frauen weniger Geld in der Tasche haben für die gleiche Arbeit als Männer. Verstanden? Na dann los!
Montag, 21. Februar 2011
Verwirrung gefällig?
Diese schöne Frau ist ein Mann...mithin der erste, der Frauenkleider auf dem Laufsteg präsentiert und mal weiblich und mal männlich fotografiert wird. Im aktuellen Zeit Magazin gibt es eine Fotostrecke mit Andrej Pejic, darüber bin ich gestolpert (die Mädchenmannschaft auch, wenn auch mit weniger Begeisterung, wie mir scheint). Auf Zeit online wird ziemlich heftig diskutiert (um es mal so zu nennen). Das kann ich nachvollziehen, wir sind es schließlich nicht gewohnt, dass unsere Sehgewohnheiten auf den Kopf gestellt werden.Ich finde, man kann hier sehr schön sehen, wie selten wir wirklich sehen, wenn wir schauen. Aha, Kleid, lange Haare, dünn = Frau. Wir sehen eine Frau, keinen schönen Menschen.
Auch die Werbung spielt auf diese Weise mit Erwartungen - quasi ein Geheimrezept ist es, diese Erwartungshaltungen zu enttäuschen. Das bringt Aufmerksamkeit in Zeiten der Informationsüberflutung.
Manche aber setzen auch geradezu darauf, dass die Konsumenten nicht so genau hinsehen. Bei einem Plakat für dieses Getränk mussten wir neulich jedenfalls schon zweimal schauen, um zu erkennen, dass es sich nicht um Fanta handelt. Damit versucht der Hersteller wohl, beim Käufer genau die Emotionen zu wecken und Verbindungen hervorzurufen, die an die "große" Marke gebunden sind.
Zurück zu Andrej Pejic, der diese Assoziationskette ausgelöst hat. Ich finde, er/sie hat ein überaus interessantes Gesicht und ich sehe mir die Bilder alle sehr gerne an, ganz gleich in welche Posen er/sie sich wirft.