Findlinge und Gedanken aus meinen Streifzügen durch das Leben und das Netz. Wunderbares und Sonderbares aus Technik, Genderdiskussionen und Kommunikation.
Dienstag, 25. Oktober 2011
Oh Siri
Für alle, die davon noch weniger Ahnung haben als ich: Siri ist die neue "Sprachassistentin" des iPhone 4S. Gibt es eigentlich schon eine Gender-Diskussion über die Wahl eines weiblichen Assistenten und damit zusammenhängend die vielen Videos im "Siri, do you love me?"-Kontext? Fände ich spannend, aber ich kann das noch nicht so recht einordnen.
Donnerstag, 6. Oktober 2011
Volkskrankheit Burn-out?
Ein passendes Zitat aus einem lesenswerten Artikel in der Zeit. Ralf Rangnicks Rücktritt hat (wieder einmal) eine Welle an Burn-out-Artikeln und -Sonderteilen ausgelöst. Der Autor der Zeit, David Hugendick, beklagt sich in seinem "Burn-out-Zwischenruf" zu Recht, dass die Schuld noch immer bei der individuellen "Anpassbarkeit" - oder eben dem Mangel daran - des Arbeitnehmers gesucht wird. Er findet, es ist Zeit, die Frage zu stellen, wie es überhaupt passieren kann, dass eine Halbtagsangestellte für 400 Azubis zuständig ist.
Das obige Zitat trifft bei mir einen Nerv. Selbst erlebt und immer wieder aus dem Verwandten-, Freundes- und Bekanntenkreis erfahren. Ich würde es allerdings noch steigern, denn meiner Meinung nach sind diese "Umbrüche" nicht nur nicht hinterfragbar. Eher scheint es doch so zu sein, dass wir die Fähigkeit, dies zu hinterfragen, komplett verloren haben. Wir vertreten diese "Selbstverständlichkeit" als solche nach außen weiter: "XY muss eben fertig werden", "Es ist eben so viel Arbeit da", "Was soll ich denn machen, wenn ich die Arbeit von A auch noch machen muss".
Das erste, dass ich wieder lernen musste nach einer extrem von solchen Anforderungen geprägten Zeit, war, mich nicht verantwortlich zu fühlen. Was? Ja, richtig. "Die Alarmkette einhalten", hieß das bei uns. Der Job ist in der geplanten Zeit nicht zu schaffen? Informiere deinen Chef. Überlass ihm die Problemlösung, statt immer mehr Überstunden aufzuhäufen. Wenn alles klappt und niemand ihn über ein Problem informiert, ändert sich nichts. Unternimmt der Chef nichts, dann ist das Projekt halt nicht rechtzeitig fertig. Ich spüre förmlich beim Schreiben die Proteststürme, die das auslöst: Da verlier ich ja meinen Job, der Chef kann ja gar nichts ändern, das ist halt gerade so eine Phase, etc.
Aber das ist gar nicht der Punkt: Es liegt schlicht gar nicht in unserem Verantwortungsbereich. Wir sind dafür nicht eingestellt, diese Probleme zu lösen, wir werden dafür nicht bezahlt und danken tut es uns ohnehin niemand. Von den Unternehmenschefs vielleicht einmal abgesehen, aber in deren Verantwortung und - Achtung - Möglichkeiten - liegt die Problemlösung ja auch. Was tut der "einfache" Arbeitnehmer bei Arbeitsüberlastung? Noch ein paar Stunden mehr arbeiten. Nicht sehr effektiv. Ein Tropfen auf den heißen Stein, ändert gar nichts. Wenn der Chef gezwungen ist zu handeln, hat er andere Möglichkeiten: Leute einstellen, Ressourcen umplanen, Aufträge ablehnen oder auch: bewusst riskieren, dass etwas nicht rechtzeitig fertig wird. Effektive Problemlösung eben.
Was macht die Krankenschwester, wenn der Patient kollabiert? Sie holt einen Arzt. Alarmkette. "Früher", als alle Unternehmen so hierarchisch strukturiert waren wie heute noch Krankenhäuser, Militär und Schifffahrt, kein Problem. Heute fühlen wir uns für Wohl und Wehe eines Unternehmens so verantwortlich, als wären wir selbst der Chef. Ganz schön anmaßend eigentlich, zu denken, dass das Unternehmen ohne unseren überdurchschnittlichen Einsatz sofort den Bach runter geht.
Wir sollten lernen, wieder verantwortungsloser zu werden. Gar nicht so einfach.
Ich bin dem Problem effektiv aus dem Weg gegangen: Ich bin jetzt die Spitze der Alarmkette und verfüge über meine Zeit selbst. Niemand kann mich mehr unter Druck setzen. Klar wird es auch mal stressig, aber erstens habe ich mir das selbst eingebrockt (was das viel erträglicher macht) und ich kann selbst für Ausgleich sorgen und auch mal einen Auftrag absagen. Allen anderen da draußen wünsche ich von Herzen den Mut, nach Ablauf der bezahlten Arbeitszeit nach Hause zu gehen, den Chef über Engpässe zu informieren, ihn zum Handeln aufzufordern und notfalls auch mal was gegen die Wand laufen zu lassen. Hat pädagogischen Charakter.
Freitag, 26. August 2011
Schreiben wie...
Ich bin selbständig, also werde ich mich sicher nicht über Zeitmangel beklagen. Aber fehlen tut es mir schon, das bloggen. Wird hoffentlich bald wieder besser, alles.
Da ich beim Schreiben von Texten immer mal wieder kleine Ablenkungen brauche, um mich nicht gar zu sehr festzubeissen, stolpere ich manchmal über Nettigkeiten. Dazu gehört ganz sicher der Sprichwortgenerator, den ich euch ja schon einmal vorgestellt habe. Und auch dieser nutzlose Zeitvertreib: Die FAZ-Journalisten fanden die englische Seite I write like so nett, dass sie den Entwickler beauftragten, eine deutsche Version zu erstellen. Hier kann jetzt also jede/r testen, welchem deutschen Schriftsteller sein Stil so entspricht. Das ändert sich natürlich (also bei mir zumindest...) mit jedem Text, den man testet. Netterweise kann man sich dann sogar ein Zertifikat auf seine Seite basteln.
Nahezu zweckfrei. Aber spaßig.
Ach ja, übrigens:
Nun aber weiter im Text(en)!
Montag, 15. August 2011
Von Trollen und Wasserfeen
Freitag, 22. Juli 2011
Urlaub! Hier auch...
Urlaubslektüre: Munro, Winterson und Co.
Alice Munro: Die Liebe einer Frau. Drei Erzählungen und ein kurzer Roman. Fischer
Ich mag eigentlich gar keine Kurzgeschichten. Bis ich richtig drin bin, sind sie zu Ende. Alice Munro ist trotzdem zu einer meiner liebsten Schriftstellerinnen geworden. Ihre Kurzgeschichten sind meisterhaft. Als ob ein (sehr heller) Scheinwerfer über Landschaften und Menschen gleitet, sie bis ins Detail ausleuchtet und sie dann wieder im Dunkel zurücklässt. Man taucht mitten in das Leben der Protagonisten ein, leidet, freut sich, liebt mit ihnen und lässt sie dann etwas wehmütig zurück. Sie ist seit Jahren im Gespräch für den Literaturnobelpreis, aber mit Kurzgeschichten verschafft man sich nur schwer Respekt. Ich drücke ihr jedes Jahr die Daumen.
Jeanette Winterson: Die steinernen Götter. Berlin Verlag
Diesen Teil meiner Urlaubslektüre habe ich schon anderweitig verraten. Auf die geschliffenen Sätze und auf die unglaublichen Bilder, die in meinem Kopf entstehen, freue ich mich schon. Und fürchte sie zugleich, denn Winterson lesen fühlt sich an wie mit einem Fischkutter durch hohe See fahren: Ich werde atemlos, mit klopfendem Herzen, wirrem Blick und rasenden Gedanken wieder ausgespuckt und versuche mich daran zu erinnern, wer ich bin. Der erste Satz des neuen Romans klingt verheißungsvoll: "Diese neue Welt wiegt ein Yatto-Gramm."
Joanna Trollope: Zweiter Frühling. Berlin Verlag
Das Erholungsprogramm. Die luftig leichte Erzählweise von Trollope gefällt mir gut. Vor allem deshalb, weil sie der Schwere ihrer Themen Flügel verleiht: Liebe (geht es nicht immer um Liebe?), Verrat, Untreue, Einsamkeit. Dieses Mal ein Familienroman: Eltern, die sich nach dem Auszug ihrer Kinder neu finden müssen, Kinder, die plötzlich erwachsene Probleme haben, und das ewige Versprechen, dass nichts so wird wie erwartet.
Siri Hustvedt. Was ich liebte. Rowohlt
Die "Neue" in der Runde. Auch wenn man das fast nicht zugeben darf, aber wir haben noch nichts von ihr gelesen. "Was ich liebte" ist schon älter (von 2003), hat uns aber neugierig gemacht. Ein Familiendrama, in der Künstlerszene New Yorks angesiedelt. Wenn sie so schreibt, wie ihr Ehemann Paul Auster (u.a. Moon Palace, Unsichtbar, Im Land der letzten Dinge) wird es nicht sehr erholsam, aber spannend.
Auf die Ohren: Leonie Swann: Garou; Audrey Niffenegger: Die Zwillinge von Highgate.
Den Garou haben wir schon auf der letzten längeren Autofahrt angefangen und wir sind wiedermal begeistert von so viel Schaffühlungsvermögen. Da braucht es schon viel "Wollensstärke", nicht einfach noch ein paar Hundert Kilometer zu fahren, um mehr hören und lachen zu können.
Von Audrey Niffenegger haben wir "Die Frau des Zeitreisenden" gelesen. Selten eine so schöne, so traurige Liebesgeschichte gelesen. Jetzt also der Nachfolgeroman. Soll ja noch emotionaler sein. Na, wenn wir da mal nicht die Ausfahrt verpassen...
Ja, da haben wir ganz schön was vor. Alles Frauen dieses Mal. Die Männer haben es nicht in die Endrunde geschafft, warten aber in der zweiten Reihe auf die nächste Shopping-Runde: Neben Paul Auster (Sunset Park) u.a. Wilhelm Genazino (Das Glück in glücksfernen Zeiten), Stefan Mühldorfer (Tagsüber dieses strahlende Blau) und David Nicholls (Zwei an einem Tag).
Montag, 18. Juli 2011
Finale - oho: das Ende der WM
Jetzt ist die WM auch schon wieder zu Ende. Die Holde und ich hatten viel Spaß: Beim Gucken mit Freunden in der Sanderstraße, live beim Spiel Nordkorea-Schweden im Stadion und auch zuhause beim Häkeln. Ein schönes Fußballfest mit etwas anderem Publikum im Stadion (da konnten ein paar eingefleischte Augsburgfans gar nicht mehr aufhören, sich zu wundern, wie friedlich das alles ist) und ausgeglichenem Geschlechterverhältnis vor den Leinwänden. Ich fand's schön! Gerne bald wieder ;-)
Freitag, 15. Juli 2011
Sascha Lobo oder: Memetik eines Hahnenkamms
Ich werde nie wieder behaupten, das einzig Interessante an Sascha Lobo sei seine Frisur. Versprochen!
Google+ Die Dritte - bin drin
Jedenfalls: Wer auch rein will, hinterlasse einen Kommentar mit Begründung und schwupps gibt's ne Mail - natürlich geht das nur, wenn ihr nicht anonym postet ;-)
Freitag, 8. Juli 2011
Google+ Circle of Trust
via netzpiloten
Dienstag, 5. Juli 2011
Google+ Lasst mich rein!
Wenn man darüber nachdenkt, eine logische Konsequenz: Sie haben Mail, Chat, Videofonie, Foto, Text, Kalender, Blog, YouTube, News, Maps, und was mir noch alles gerade nicht einfällt. Und jetzt machen sie daraus einfach eins. Das könnte funktionieren. Nicht nur für mich. Dazu kommt, dass Google+ offensichtlich aus Facebooks Fehlern gelernt hat: Nachrichten und Fotos sind ganz einfach privat zu halten oder können per Click nur an bestimmte Nutzergruppen, "Circles", weitergegeben werden - Facebook macht es einem schwerer.
Viele werden jetzt wieder die Datenkrake Google beschwören, aber mal ehrlich: Sind unsere Daten sicherer bei Facebook? Und bei Google bin ich ohnehin schon lange mit Nutzerkonto unterwegs. Dafür, welche Informationen ich raus gebe, bin ich immer noch selbst verantwortlich, egal wie der Dienst heißt.
Ausprobieren möchte ich es auf jeden Fall - leider sind die Accounts der Beta-Phase begrenzt, und ich komme noch nicht rein. Aber über die Netzpiloten habe ich immerhin ein nettes Video gefunden, das den Dienst vorstellt. Umso mehr: LASST MICH DA REIN!
Donnerstag, 23. Juni 2011
Schaukel das Boot
Das ich bekennender Missy-Magazin-Fan bin, ist ja nix Neues. Aber die aktuelle Ausgabe hat es wirklich in sich und jetzt ist mein liebster "Roter-Ohren-Artikel" seit langem auch online zu lesen: Die Missy-Macherinnen haben, nun ja, eindeutige Liedtexte wiedergegeben, die zeigen, 1. wie es die Ladys am liebsten haben und 2. dass nicht nur Männer versaute Lieder texten und singen.
Online-Bonus: die enstprechenden Videos sind auch verlinkt. Also auf zur Missy!
I like Traffic Lights
Die anderen fünf findet ihr hier, oder auf der entsprechenden Facebook-Seite. Was ist denn eure Lieblings-Staubeschäftigung? Die Holde spielt ja ganz gerne mal Ball im Auto, wenn es sich staut. Ich bin da eher so á la Spot Nr. 5 und gehe an die Decke...
Endspurt im Achtelfinale!
Freitag, 17. Juni 2011
schwarz, rot, goldig?
Am Dienstag, als ich mit meinem geschätzten Kollegen und Kompagnon telefonierte, fragte er mich plötzlich: "Hast Du die neue Playboy schon gesehen?" Ich war kurz verwirrt, denn zu meiner täglichen Lektüre gehört das eher nicht. Aber mir wurde sehr schnell klar, worauf er hinaus wollte. Schließlich hatten wir uns in der Woche zuvor noch gemeinsam über die etagreen aufgeregt.
Habt ihr die neue Playboy schon gesehen? Hier der Link zum Stein des Anstoßes. Fünf Spielerinnen der Nationalmannschaft haben sich für den Playboy nackig gemacht. Um gegen das Image des "Mannweibs" anzukämpfen, wie sie sagen. Denn: "Es spielen immer mehr süße, hübsche Mädels Fußball, die auch shoppen gehen und Wert auf ihr Äußeres legen."
Eigentlich finde ich dieses Zitat noch schlimmer als die Bilder. Der Kollege kommentierte passend: "Statt als Mannweib abgestempelt zu werden, lassen sie sich also lieber als Püppchen fotografieren?" Ja, denn das lässt sich offenbar besser verkaufen. Frauen, Verzeihung, "Mädels" haben nun mal süß und schlank zu sein, lassen für Geld alle Hüllen fallen und gehen gerne shoppen. Mich gruselt's. Das sollen die Vorbilder für unsere Jugend sein? Germany's next Topfmodel auf grünem Rasen? Aber der DFB findet das sicher nicht gut, dachte ich. Und dann das:

Was ihr hier seht, ist einer der offiziellen DFB-Fanartikel. Es gibt wahlweise auch ein "Stylisches T-Shirt mit Glittter-Aufdruck"[sic!]. Versteht mich nicht falsch, ich habe nichts gegen Mädels, die süß aussehen und gern shoppen gehen. Aber ich habe ganz deutlich etwas dagegen, wenn Fußballfrauen wie z.B. Nadine Angerer nicht als das was sie sind, nämlich eine hervorragende Torfrau, gesehen werden, sondern nur ihre angebliche fehlende Weiblichkeit bemängelt wird. Sportlerinnen haben "süß" auszusehen, nicht "athletisch". Mattel hat passenderweise zur Fußball-WM eine Barbiepuppe herausgebracht. Aber ich will Fußball sehen im Juli, keine Puppenspiele! Daher schließe ich mit einem Zitat vom Turbine Potsdam Trainer Bernd Schröder: "Wir aber brauchen Persönlichkeiten, keine Barbiepuppen."
Donnerstag, 16. Juni 2011
Der Mond ist aufgegangen...
... bloß wo? Das haben sich die Holde und ich gestern Abend gefragt. Links aus dem Fenster, rechts aus dem Fenster, bäuchlings über dem Balkongeländer: Nichts. Keine Spur. Also haben wir um 22.30 Uhr den Schlüssel geschnappt und sind aus dem Haus. Kantapper, kantapper die Straße hinunter. "Da, ist da nicht was? - ach ne, war nur die Straßenlaterne ..." Irgendwie kamen wir uns recht blöd dabei vor. Als wir auch auf der Eisenbahnbrücke in der Nähe nicht fündig wurden, beschlossen wir, der Mond verstecke sich eben noch hinter einem der Hügel oder wurde doch von dem Drachen gefressen. Und trotteten kantapper, kantapper wieder zurück.
Ruhe fanden wir natürlich keine, und nach endlosen Runden durch die Wohnung - sorry an dieser Stelle an die Nachbarn - fanden wir um 23 Uhr, was wir gesucht hatten: Hinter dicken Schleierwolken ließ sich der Mond erahnen. Natürlich habe ich gleich versucht, zu fotografieren. Leider war das Licht so schwach, dass die Kamera den Mond gar nicht fand :-( . Die Österreicher hatten wohl mehr Glück, deshalb an dieser Stelle das versprochene Bild, wenn auch nicht von mir, sondern vom ORF. Habt ihr denn irgendwas gesehen?

Mittwoch, 15. Juni 2011
Blutmond am Drachenpunkt
Übrigens: Wenn der Mond in den Kernschatten der Erde eingetreten ist, leuchtet er aufgrund der von der Erde reflektierten Lichtstrahlung rot. Und der Kernschatten heisst auch Drachenpunkt, weil die Chinesen früher glaubten, während einer Mondfinsternis jage ein Drache den Mond.
Im Süden und der Mitte sollen sich die Wolken gegen Abend weiter auflösen und den Blick freigeben. Will ich mal hoffen, dass Würzburg dann freigepustet ist. Für alle im Norden und Osten drücke ich natürlich die Daumen. Zur Sicherheit versuche ich, ein paar Fotos zu knipsen und die teile ich dann mit euch. Mal sehen, ob es was wird.
So, jetzt muss ich aber los! Ich wünsche euch viel Spaß, nur für die Werwölfe unter euch gilt: extra früh ins Bett heute!
Dienstag, 14. Juni 2011
12 Points
Werbeobjekte - das Gleiche in Grün
Wo genau liegt die Verbindung zwischen der Wahl des passenden Wechselrichters für Solaranlagen und einer halb nackten Frau? Weil es so schön warm wird auf den Panels? Im Innern der Ausgabe dann ein Poster mit den sonnenreichsten Gegenden Deutschlands - eine Afroamerikanerin im Bikini und mit Sonnenbrille verdeckte zwar einen Teil des Niederrheins und Schwarzwalds, aber was soll's? Ist doch viel hübscher so. Nicht zu fassen, das. Nachhaltige Kommunikation definiere ich irgendwie anders. Mehr mit Menschenwürde und so. Das Magazin ist bei mir jedenfalls unten durch.
Welche Werbewiderlichkeiten sind euch denn die "liebsten"? Zur Inspiration seht euch einfach zum Abschluss des kleinen Ausflugs in die Werbewelt noch ein paar gephotoshoppte Bilder an und dann legt los:
Donnerstag, 9. Juni 2011
Frauen-WM hoch zwei
Eine ganz tolle Idee am Rande der Frauenfußball-WM hatte Peer vom Blogprojekt: Bereits zur Herrenfußball-WM gab es eine Blog-WM, dieses Jahr gibt es das Ganze nur für XX-Chromosomler noch mal: 64 Blogs treten in verschiedenen Runden gegeneinander an, per Abstimmung wird entschieden, wer aus der jeweiligen Paarung in die nächste Runde kommt. Am Ende winkt der Blog-WM-Titel und ein paar Preise gibt es auch.
Ich fand das so toll, dass ich mich gleich beworben habe. Und siehe da, ich bin dabei! :-) Darüber freue ich mich wirklich sehr. Die erste Vorrunde läuft noch bis zum 12.06., d.h. Ihr müsst jetzt natürlich fleißig abstimmen. Für mich, aber bitte auch für alle weiteren Kandidaten, die Euch gefallen. Ihr wisst ja, das olympische Prinzip!
Musikalische Pausen - toller Google-Doodle am 9.6.
Habt einen google-doodeligen Tag!
Dienstag, 24. Mai 2011
Sexismus und andere Seuchen
Der EHEC-Erreger sorgt ja gerade zumindest in den Medien und dem, was man so "öffentliche Meinung" nennt, für einigen Wirbel. Mich hat da gestern da was ganz anderes "erregt", nämlich die unglaubliche Aussage eines Mitarbeiters des Robert-Koch-Instituts:
"Die Frauen bereiten häufiger Lebensmittel zu, und da können sie sich möglicherweise bei der Reinigung des Gemüses oder anderer Lebensmittel infizieren."
Dieser "'*_)/%§"%/(!" - tief durchatmen jetzt - "Wissenschaftler" scheint eine etwas antiquierte Haltung zum weiblichen Geschlecht sein Eigen zu nennen. Vielleicht wollte er ja auch nur einen Scherz machen und die dpa hat's nicht verstanden. Oh, oh, da fällt mir glatt noch einer ein:
"Warum haben Frauen so kleine Füße? Damit Sie näher am Herd stehen können!"
Ich dachte eigentlich, wir leben in einer sich zumindest emanzipierenden Gesellschaft, in der Männer auch mal die Küche betreten dürfen. Und nun kommt mir nicht mit Statistiken. Das hat nichts mit Statistik zu tun, wenn man sich angesichts einer Krankheit, die überwiegend Frauen befällt, sofort auf das erstbeste "Argument" stürzt und solch unbedachten Unsinn äußert.
Ich mag jedenfalls nicht akzeptieren, dass ein führendes wissenschaftliches Institut ohne Nachweis darauf hinweist, dass Frauen gut genug sind, das Gemüse zu putzen, aber zu dumm, sich die Hände zu waschen. Und alle Medien haben es natürlich genau so unbedacht übernommen, von SpOn über WELT bis zur ZEIT online.
So. Ich geh jetzt mal Gemüse putzen, das beruhigt mich immer so schön.
Freitag, 20. Mai 2011
Die Menge schäumt
Social Marketing klingt ganz einfach - ist es aber nicht. Gerade erleben wir eine Zeit, in der wirklich ALLE Unternehmen irgendwas mit Facebook machen müssen, meist, weil der Chef im Meeting sagt: "Wieso sind WIR eigentlich noch nicht auf Facebook" und alle in hektische Betriebsamkeit ausbrechen. Und keiner weiß, wie es funktionieren kann, weil es noch so neu ist. Und dann kann es eben richtig in die Hose gehen.
Bei Pril hatten sie immerhin eine echt gute Idee (lassen wir doch ein neues Pril Flaschen-Design von Nutzern entwerfen und bewerten), die auch wirklich Community-Charakter hatte. Das ist ja nicht überall der Fall. Leider haben sie es meiner Meinung nach aber nicht zu Ende gedacht. Was ist passiert?
1. Niemand hatte daran gedacht, dass vielleicht nicht nur schöne und ernstgemeinte Beiträge eingesendet werden, sondern auch solche, die man vielleicht nicht unbedingt am Ende auch wirklich umsetzen möchte. Als sie es gemerkt haben, haben Sie die Regeln mittendrin geändert und dann doch erst mal geprüft. Kleiner Tipp: KAM NICHT GUT AN, DAS.
2. Niemand hatte daran gedacht, dass die Nutzer diese "nicht-so-schönen" Designs am Witzigsten finden könnten. Es hatte auch niemand daran gedacht, dass Abstimmungen über Facebook ganz schön problematisch weil fälschungsanfällig sind. Als sie es gemerkt haben, haben sie einen Teil der Stimmen gelöscht - wohl ohne zu erläutern, nach welchen Kriterien. Noch'n Tipp: KAM NOCH WENIGER GUT AN.
Fazit: Zwei bestenfalls langweilige Designs wurden prämiert, obwohl viele wirklich schöne dabei waren. Der Sturm der Entrüstung flaut gar nicht mehr ab, die Menge schäumt. Zu Recht.
Am besten wäre es natürlich gewesen, dem Rat unser aller Eltern zu folgen: Erst nachdenken, dann reden. Sprich: Vorneweg Regeln zu formulieren, nach denen Designs erst geprüft und dann freigegeben werden. Oder es halten wie Otto, denen ist das bei einem Modelwettbewerb auch passiert: Nehmen was kommt. In Otto's Fall: "Der Brigitte" shooten und Respekt ernten. In Pril's Fall: Die zwei meistgewählten Designs produzieren und gut.
Ich würde ja fast Wetten darauf abschließen, dass Pril's Ausflug in die Facebook-Welt damit beendet ist. Der/die Chefs schäumen bestimmt auch. Immerhin: In die Medien haben sie es ja geschafft...
Wieder mal ein Beweis dafür, dass Social Marketing nicht billig zu haben ist. Im Gegenteil: Für den schönen Gewinn, ganz dicht dran am Kunden zu sein, muss man viel investieren: Zeit vor allem, Ideen auf jeden Fall, Expertise, wo es geht, gesunder Menschenverstand reicht aber meist auch. Vor allem muss man wirklich bereit sein, das Ruder aus der Hand zu geben und sich vom Ergebnis überraschen zu lassen. Das ist ja gerade das, was das "social web" so schön macht.
Montag, 9. Mai 2011
Die Vermessung der Welt
Heute morgen bei meinem täglichen Blog-Rundgang bin ich auf einen Post der Mädchenmannschaft gestoßen. Thema: BH-Größen. Da ich chronisch unzufrieden werde beim BH kaufen und es deshalb auch nur bei besten Voraussetzungen versuche (Sonnenschein, gute Laune, Zeit und eine geduldige Einkaufspartnerin), habe ich ohne große Hoffnung auf Erlösung geschmökert. Und weitergelesen. Und bei den Busenfreundinnen reingeguckt. Dann das Maßband gesucht. Gemessen. Gesucht. Gelesen. Gewundert. Und was soll ich sagen: Ich werde wohl am Wochenende neue BHs kaufen gehen müssen.
Nun weiß ich natürlich auch, dass sich die BH-Größe aus dem Unterschied zwischen Brustumfang und Unterbrustumfang ableitet. Aber ich wusste offensichtlich nicht, wie man richtig misst (für Anleitung und Auswertung bei den Busenfreundinnen reinschauen. Aber als erste Hilfe: Unterbrustumfang nach dem Ausatmen so eng wie's geht messen. Brustumfang an der weitesten Stelle im Liegen, im Stehen und Vornübergebeugt messen). Nach Studieren der Anleitung kam ich heute zu einem Ergebnis, das so komplett anders ist als mein Bisheriges, dass ich nur staunen kann. Noch dazu weiß ich jetzt, dass mein Problem (BH rutscht immer nach oben, wenn ich mich bewege) ein Häufiges ist. Und daher kommt, dass ich zu KLEINE BHs gekauft habe. Du lieber Himmel. Ich bin echt geschockt, dass ich das nie in Betracht gezogen habe. Und würde jetzt am Liebsten mit dem Maßband durch die Welt ziehen und alle BH-Trägerinnen vermessen. Aber da ich einsehe, dass das unangenehme Konsequenzen nach sich ziehen könnte, hier der Aufruf an Euch: Vermesst Euch! und berichtet!
Freitag, 6. Mai 2011
Wo gehobelt wird, ist gut durch Feuer reiten.
Ich mochte (und mag) sie ohnehin sehr gerne, aber dafür habe ich sie geliebt. Denn irgendwie kitzelten diese Sprichwörter immer so ein bisschen von innen an der Hirndecke. Man merkte zwar gleich, dass da irgendwas nicht stimmte, aber es war manchmal echt schwierig darauf zu kommen, was nun genau.
Und heute macht mir Spreeblick ein tolles Geschenk: Sie haben eine (Name der Kollegin wird nicht verraten)-Maschine entdeckt. :-)
http://sprichwort.gener.at/or/
So, ich lasse mir jetzt ein bisschen das Hirn kitzeln und wünsche Euch auch viel Spaß dabei. Denn:
Reden ist Silber, Schweigen ist des Talers nicht wert.
Mittwoch, 27. April 2011
Von Trollen und anderen Problemen
Troll dich!
Auf der re:publica in Berlin (die ich leider verpasst habe dieses Jahr) wurde Hatr vorgestellt. Die Plattform versucht, nervigen Trollen etwas Positives abzugewinnen. Momentan noch sehr Gender-lastig, aber m.E. nicht darauf beschränkt, Trolle gibt's ja überall. Per Werbefinanzierung sollen die Trollkommentare, die von registrierten Blogbetreibern eingesendet werden können, verschiedene soziale Projekte finanzieren. Ich hoffe ja vor allem, dass diese Art öffentlicher Zurschaustellung dazu führt, dass der ein oder andere sich besser überlegt, was er schreibt. Die veröffentlichten Kommentare lassen mir jedenfalls teils die Haare zu Berge stehen.
Medienselbstbespiegelung
Das ZEIT Magazin hat sich in der letzten Ausgabe in Medienkritik versucht. Die Holde und ich fanden das nicht besonders überzeugend. Die Selbstkritik "gipfelte" (kann man bei so was auch "hügelte" schreiben?) in der Aussage eines Reporters, das Porträt letztens sei am Ende vielleicht doch etwas zugespitzt gewesen. Sollen wir daraus lernen, dass die ZEIT eigentlich gar nichts falsch macht? Oder hat man einen mutigen Ansatz versucht, und dann hat sich doch niemand getraut? Wollten die Herren und Damen lieber keine Fehler zugeben oder ging es der Chefredaktion am Ende nur ums Image? Sorry, aber da habe ich wirklich mehr erwartet. Ansatzpunkte für Medienkritik gibt es genügend. Da muss man nicht zu Stefan Niggemeier gehen (der's auch nicht toll fand), wenn man ihn nicht mag, das gibt es auch professioneller: Bei Miriam Meckel zum Beispiel.
Vorratsdaten zum Spielen
Auf der Internetseite der ZEIT online gibt es eine interaktive Grafik zu bewundern, die zeigt, was man mit Vorratsdaten so alles anstellen kann. Der Grüne Malte Spitz hat sechs Monate Vorratsdaten an die ZEIT gegeben und diese ein Bewegungsprofil erstellen lassen. Empfehlenswert für alle, die schon immer wissen wollten, was Polizei und Geheimdienst so toll an der Datenspeicherung finden und warum vielen Bürgern dabei mulmig wird. Ziemlich gruselig das.
Mittwoch, 13. April 2011
Im Urlaub
Für die nächste Woche ist kaum mehr von mir zu erwarten, da ich mich in Lissabon herumtreiben werde :-). Hier ist jetzt erst mal bis 21.04. alles dicht.
Habt Geduld. Dafür gibt's hinterher bestimmt viel zu berichten!
Freitag, 1. April 2011
Frühstück bei Stefanie
Während ich also lecker Kaffee schlürfe und mich kulinarisch verwöhnen lasse in meinem Stamm-Hotelchen, kommt "Frühstück bei Stefanie" (wie passend, dachte ich da). Und wie ich das noch denke, schütte ich mich schon aus vor Lachen. Das will ich euch nicht vorenthalten, also frei drauflos geklickt:
Frühstück bei Stefanie - Heiliger Gral
(Konnte es leider nicht direkt einbetten...)
Ich schmeiss mich weg!
Mehr gibt es hier bei NDR2
Donnerstag, 24. März 2011
Ruhe einkehren lassen

Rote Taschen raus!
Morgen, am 25.03. ist Equal Pay Day!
Für alle, die es (wie ich) auch noch nicht wussten: Die rote Tasche steht dafür, dass Frauen weniger Geld in der Tasche haben für die gleiche Arbeit als Männer. Verstanden? Na dann los!

Mittwoch, 23. März 2011
Wir machen ja hier Wissenschaft
Via Netzpiloten.
Nicht weniger skuril, aber informativer ist dieser Erklärungsversuch des ZDF geraten. Harald Lesch erklärt die Sache mit Einstein und den Atomen und so. Mal ehrlich: Mit dem Physiklehrer hätt' ichs auch verstanden!
Via Spreeblick
Entschuldigen Sie bitte, was halten Sie vom BVG-Streik?
1) die Berliner Freiberuflerkultur: mit Laptop im Café sitzen, Latte schlürfen und über Projekte plauschen, im coolen betahaus einen Arbeitsplatz haben, wenn man einen braucht (im Berliner Winter z.B.). Nun gibt es in Würzburg doch tatsächlich einen Coworking Space seit Neuestem. Und eine kleine, aber feine Gemeinde Freischaffender auch. Habe vergangene Woche erst mit einem dort rumgesessen und (nein, keinen Latte) einen Cappuccino getrunken. Fein ist das!
2) Das Stehmännchen. Das Stehmännchen war ein älterer Herr mit Mütze, der sommers wie winters an der Straßenkreuzung bei uns an der Ecke stand. Manchmal trat er vorsichtig auf einen nichtsahnend an der Ampel stehenden Passanten zu und fragte sehr höflich: "Entschuldigen Sie, darf ich Sie etwas fragen?" Natürlich sagt man da nicht nein (nicht mal als misstrauischer Berliner). Dann: "Was halten Sie denn vom BVG-Streik?" Für alle Nicht-Berliner: Die BVG sind die örtlichen Verkehrsbetriebe. Gestreikt haben sie zuletzt Anfang 2008. Spätestens im Herbst 2008 wurde diese Frage kurios, später total abstrus, weil die BVG das einzige war, das in Berlin überhaupt noch fuhr (S-Bahn-Drama, immernoch). Ich glaube nicht, dass er jemals auf eine Antwort gewartet oder reagiert hat. Er stand da einfach nur. Den Namen Stehmännchen hat ihm übrigens die Bäckerei an dieser Ecke verliehen, vor deren Geschäft oder auch oft in deren Geschäft er stand. Sehr berlinerisch, dass sie ihn erst zu Ladenschluss sanft hinausbefördert haben. Hach ja, wie hatten wir ihn liebgewonnen.
Und jetzt? Steht vorne an der Ecke unserer Straße sommers wie winters ein kleiner, dick eingepackter Mann mit Pudelmütze und viel zu groß scheinenden Schuhen (vielleicht ist er aber auch nur zu klein für seine Füße) und raucht. Er steht da einfach und guckt und raucht. Lange. Oft. Gesprochen hat er noch nicht. Ist eher ein Räuchermännchen. Ich muss immer lächeln, wenn ich ihn sehe. Vielleicht trete ich irgendwann einmal auf ihn zu und frage ganz höflich: "Entschuldigen Sie bitte, was halten Sie vom BVG-Streik?"
Montag, 21. März 2011
Stuttgarter Riesen
Seufz. Bislang konnte ich mich noch nicht aufraffen, sie wieder alle auszugraben. Vielleicht gibt es also ein großes Zwiebelkuchenfest im Herbst...
Dienstag, 15. März 2011
Fremdschäme mich: Katastrophenmache im deutschen Fernsehen
Aber ebenfalls seit Freitag wächst meine Abscheu und meine Wut, was die Berichterstattung der deutschen Medien angeht. Hierzu möchte ich so vieles sagen, dass ich es gar nicht schaffe, die Worte in meinem Kopf zu sortieren. Also frisch drauf los:
Bereits am Freitag, kurz nachdem ich von dem Erdbeben erfahren habe, habe ich der deutschen Berichterstattung in den Online-/Printmedien den Rücken gekehrt, weil ich keine Lust auf die informationsschwache Panikmache hatte, die auch schon Johnny im Spreeblick beklagt hat. Die Informationen, nach denen ich das Bedürfnis hatte, waren andere. Ich versuchte es zunächst auf ARD und ZDF und war danach wenigstens ein bisschen schlauer. Aber auch sehr bald sehr genervt. Die gesamte Berichterstattung schien sich um folgende Fragen zu drehen: Was bedeutet das Erdbeben für uns in Deutschland (????), welche Auswirkungen wird die Katastrophe auf die deutsche Wirtschaft haben? Wie viele deutsche THWler fliegen wann mit welcher Ausrüstung ins Krisengebiet und was halten sie von der Katastrophe.
Nach kurzer Zeit hatte ich einen dicken Hals und die Nase voll (ja, ich bin auch erkältet, aber das meine ich jetzt nicht). Mein Bedürfnis nach Information (!) stillte ich im Folgenden auf CNN und über den englischen NHK-Livestream (japanischer Sender). Das war noch bevor die Lage im Atomkraftwerk Fukushima (mutmaßlich) kritisch wurde.
Ich weiß nicht, ob es ein speziell deutsches Medien-Phänomen ist, alles auf sich selbst zu beziehen. Mal ehrlich, es interessiert mich einen Dreck, was die DIHK oder irgendwelche Wirtschaftsweisen zu den Auswirkungen auf den deutschen Exportmarkt sagen. DA UNTEN STERBEN MENSCHEN! Menschen, nicht Japaner oder Deutsche oder Amerikaner oder sonstwas. Menschen.
Immer mal wieder habe ich in den letzten Tagen dann doch bei ARD und ZDF reingesehen. Nach wenigen Minuten und mit steigendem Abscheu habe ich ausgeschaltet. Fragerunden auf dem Erfurter Marktplatz, ob man nun in Deutschland Angst haben müsse, wenn in Japan der GAU eintritt. Gestern Abend schließlich der Gipfel der Geschmacklosigkeit: Eine Expertenrunde in der ARD beantwortet Fragen besorgter deutscher Bürger ob der Auswirkungen eines (möglichen) GAUs (habe ich mir nicht angesehen, ich weiß also nicht, ob es solche Befürchtungen wirklich gibt).
Ich habe genau so wenig wie Johnny etwas dagegen, wenn nun der Atomausstieg erneut debattiert wird (btw: Kann mir jemand erklären, was ein Moratorium aus dem Ausstieg des Ausstiegs ist?). Aber eines ist doch klar: An der Situation in D hat sich durch einen (noch immer unklaren) GAU in Japan überhaupt nichts geändert. Allenfalls hat es einigen Menschen vor Augen geführt, dass Atomenergie nicht beherrschbar ist. Nicht wirklich neu, oder? Aber diese völlig substanzlose Panikmache und das sofortige Übertragen der Problematik auf uns Deutsche lässt mich vor Fremdschämen bibbern. Bitte, bitte sagt mir, dass nicht alle so sind.
Nachtrag: Meine Holde hat mich darauf hingewiesen, dass wir uns schon bei diversen Sportereignissen (Olympia, WMs, etc) aufgeregt haben, dass so deutschlandzentriert berichtet wird. Stimmt. Mehrere Male war es schwierig zu erfahren, wer gewonnen hat, weil nur die Deutschen auf den Rängen 8, 15 und 23 genannt wurden.
Nachtrag 16.03.: Peer Schader bestätigt im F.A.Z. Blog die Unmöglichkeit der Sondersendung zu deutschen Sorgen um den Atom-GAU in Japan: Die Fischstäbchen sind sicher!
Donnerstag, 10. März 2011
CeBIT-Fieber
Ich war jetzt schon zum dritten oder vierten Mal auf der CeBIT, und ich fahre immer wieder gerne hin. Kernthema dieses Jahr war die ominöse Wolke, jene "Cloud" also, in der wir in Zukunft all unsere Daten speichern sollen und es oft genug auch bereits tun. Ich erinnere mich mit leichtem Grauen an den Schwarm Berater und Firmeninhaber, die uns das Thema bereits 2008/2009 wie sauer Bier angepriesen haben. Mein einziger Gedanke damals: Wie denken die sich das denn, dass die Regierung mal eben ihre Daten fremdbetreuen lässt? Entsprechend kühl lächelnd abgewiesen wurde der kurzsichtige Lobbyisten-Schwarm damals. Und trotzdem nutze ich privat und inzwischen auch beruflich allerhand Wolkiges.
1. Meine private E-Mail-Adresse
2. Allerhand private Planungsdokumente bei google docs
3. Mein Zeiterfassungstool
4. Dieses Blog natürlich
5. Meine Webseite
... Die Liste ließe sich bestimmt mit einigem Nachdenken noch verlängern. Wenn die "Manager" meiner Daten einmal Mist bauen sollten, wenn meine Daten nicht mehr auffindbar sind, dann ist alles weg. Ich habe keine Sicherungsvorkehrungen. Weg wäre damit z.B. auch unsere Ticketbestätigung für die Frauenfußball-WM, oder die Flug-Tickets für unseren Urlaub. Meine Stundenabrechnungsgrundlage. Andererseits: Ich habe dort keine fremden Daten, nur meine eigenen. Und auch (fast) nichts, das sich nicht (mühsam) wieder rekonstruieren ließe.
Ich mag das Arbeiten mit allen mir online zur Verfügung stehenden Mitteln. Aber ich möchte nicht, dass ein Unternehmen meine Daten irgendwo im Netz ablegt. Schlimm genug, dass es so viele Daten von mir da draussen gibt.
Auf der CeBIT habe ich mich gerne in der Wolkenmaschinerie herumgetrieben. Spannend ist es allemal. Meine Lieblingshalle ist übrigens die Halle 9. Nicht etwa weil dort der De-Mail-Stand zu finden war, sondern weil in der Halle allerlei Forschung und Entwicklung vorgestellt wird. Nerdiges Zeug halt: Hamlet zitierende Roboter, Eye Tracking, Radfahrnavigationssysteme, Lichtschalter ohne Stromanschluss ... Da lacht mein Herz - und meine Holde verzweifelt, weil ich nicht aufhöre, irgendeinen Mist zu erzählen.
Auch auf der CeBIT gefunden habe ich die Cloudsters - davon aber mehr, wenn das CeBIT-Fieber wieder gesunken ist...